Fr. Ignatius Maria Faulhaber wurde in der Zeit seines Noviziates (September 2013 bis Februar 2015) interviewt von Lorenz, Theresa und Corinna, die zu dieser Zeit Mitarbeiter der G├Ąrtnerei der Abtei Plankstetten waren. Sie sind alle nur ein paar Jahre ├Ąlter als er und zum Teil selbst noch in Ausbildung und Studium.

Warum hast du dich f├╝r den Klostereintritt entschieden: obwohl du noch so jung bist oder weil du noch so jung bist?

Ins Kloster zu gehen war nicht der Wunsch, der bei mir ganz am Anfang gestanden hat, denn Kl├Âster waren f├╝r mich wie eine andere Welt, ├╝ber die ich auch kaum etwas wusste. Dass ich jetzt hier bin, ist im R├╝ckblick wirklich erstaunlich. Der eigentliche Gedanke war f├╝r mich seit der Firmung, die ich in der 10. Klasse empfangen habe, dass ich Priester werden m├Âchte und diese Entscheidung wollte und konnte ich nicht w├Ąhrend der Schulzeit, vor allem der Abiturzeit, treffen. EinkleidungDeshalb wollte ich ein freiwilliges Jahr machen, um auch etwas in das “richtige Leben” zu schnuppern und um eben eine gute Entscheidung, wie es denn weitergehen soll, treffen zu k├Ânnen. Daf├╝r schien mir ein Kloster ein guter Ort zu sein. So habe ich dann am Jugendhaus des Klosters, der Schneem├╝hle, ein Freiwilliges soziales Jahr gemacht. In diesem Jahr habe ich mich bem├╝ht, oft am Chorgebet teilzunehmen, au├čerdem war ich als Gast zum Abendessen und zur Rekreation in den Konvent eingeladen. So bekam ich einen Einblick ins Klosterleben und sp├╝rte mehr und mehr, dass diese Lebensform mit der Gemeinschaft, vor allem den gemeinsamen Gebetszeiten, mein Leben tragen und auch gelingen lassen kann, gerade auch im Gegensatz zu einem Leben als Weltpriester, was f├╝r mich ja die Option war, wo man aus meiner Sicht eher als ÔÇ×Einzelk├Ąmpfer“ unterwegs ist. Ja, und was das Alter betrifft, w├╝rde ich eher sagen, weil ich so jung bin, habe ich diese Entscheidung getroffen, denn das ist einfach das Alter, in dem man sich entscheidet, in welche Richtung der Lebensweg gehen soll und au├čerdem, sind schlie├člich besonders die jungen Jahre voller Energie und Schwung und die m├Âchte ich nicht allein f├╝r mich behalten, sondern zur Verf├╝gung stellen.

Wie ist es eigentlich von den Mitbr├╝dern aufgenommen worden, dass du in so jungen Jahren eingetreten bist?

Das ist f├╝r die alle ÔÇ×ganz normal“. Die meisten sind auch ungef├Ąhr in meinem Alter eingetreten.

Kommst du hier aus der N├Ąhe?

Nein, sondern aus Leipzig.

Warum bist du dann nach Plankstetten und wie bist du gerade auf dieses Kloster gekommen? Wolltest du nach Bayern?

Ja genau, ich wollte nach Bayern, ich wei├č nat├╝rlich mittlerweile, dass man da fein differenzieren muss und ich ja hier in der Oberpfalz bin. Schon zu meinem FSJ hat es mich nach Bayern gezogen. Ich habe besonders auf den Wandertouren mit meinem Vater, die uns in die verschiedensten Ecken Bayerns gef├╝hrt haben, Land und Leute lieben gelernt. Ein Teil meiner Familie stammt ├╝brigens auch aus der Oberpfalz. Dass es dann aber ausgerechnet Plankstetten geworden ist, war eher Zufall. Ich habe ein bayerisches Kloster ohne Schule gesucht, was das Feld schon sehr stark begrenzt hat. Aus Plankstetten kam dann auch als Erstes eine sehr freundliche und einladende R├╝ckmeldung des Abtes mit dem Angebot das Freiwillige Soziale Jahr am Jugendhaus des Klosters zu machen und so bin ich dann hierher gekommen. Wie schon gesagt ├╝bers Jahr hat es sich dann so ergeben, dass ich gemerkt habe, hier passt es f├╝r mich. Also, ich war mittlerweile schon in verschiedenen anderen Kl├Âstern und so sch├Ân es auch dort teilweise ist, ich war immer gl├╝cklich, wenn ich wieder hier war, weil ich gemerkt habe, jawohl, hier in Plankstetten ist es gut.

Was ist es denn, was Plankstetten f├╝r dich ausmacht gegen├╝ber anderen Kl├Âstern?

Ja, das geht nat├╝rlich schon bei den Mitbr├╝dern los, aber vor allem auch die Art und Weise des Stundengebetes, also wir beten ja nach dem M├╝nsterschwarzacher Antiphonale, singen also unser Stundengebet, und das ist im Vergleich zu anderen Formen des Chorgebetes f├╝r mich ganz wunderbar. Das n├Ąchste mag vielleicht ein bisschen kleinkariert erscheinen, aber in Plankstetten stehen wir, mit den M├Ânchen von der Abtei Metten, am fr├╝hesten in der bayerischen Kongregation auf. Da die Vigil bzw. Matutin ja eine Nachtwache sein soll, sind wir eigentlich auch so schon recht sp├Ąt dran und noch sp├Ąter oder gar am Vorabend, w├╝rde ich ganz einfach sinnlos finden. Dann ist es auch nichts besonderes mehr. Also ich finde, man muss schon merken, dass man zeitiger aufstehen muss, als man das normal machen w├╝rde, um zu beten, weil f├╝r mich gerade das zeitige Aufstehen wie eine t├Ągliche Pr├╝fung ist: Man muss schon jeden Morgen, oder zumindest insgesamt, ganz genau wissen, warum man das macht. Ja, und wor├╝ber ich richtig ins Schw├Ąrmen kommen kann: Burgerverkauf beim ErntedankmarktBei uns gibt es eben noch wirklich “ora et labora”. Unsere Betriebe, die schon in Richtung Autarkie gehen, wie es sich der hl. Benedikt gew├╝nscht hat und auch das G├Ąstehaus, was f├╝r mich eine Br├╝cke schl├Ągt zu unserem Ursprung bei den W├╝stenv├Ątern, das alles finde ich einfach gro├čartig. Nat├╝rlich ist mir besonders wichtig, dass unsere Landwirtschaft nicht irgendwie betrieben wird, sondern eben ├Âkologisch, wobei ich es so wichtig finde, zu beachten, dass es dabei nicht darum geht, ÔÇ×gr├╝n“ zu sein, sondern verantwortungsvoll mit Gottes Sch├Âpfung umzugehen und seinen Sch├Âpfungsauftrag so gut wie m├Âglich zu erf├╝llen und ich merke vor allem auch, dass das nicht leere Theorie oder kluges Vermarktungskonzept ist, sondern - bei unserem fr. Richard merkt man das ganz stark - wirklich aus dem Glauben heraus und von Herzen kommt.

Hattest du denn vor deinem Klostereintritt schon Bezug zu Benediktinern?

Wie gesagt, waren Kl├Âster allgemein f├╝r mich ziemlich weit weg, in Leipzig gibt es zwar ein Dominikanerkloster und ich bin auch von einem befreundeten Dominikaner getauft worden, in der N├Ąhe von Leipzig gibt es auch das Benediktinerkloster Wechselburg und eine evangelische Gemeinschaft auf dem Petersberg, dort war ich auch mal zu einem Ausflug und es war mir bekannt; aber trotzdem waren Kl├Âster f├╝r mich wie eine andere Welt, vielleicht eine geheimnisvolle Welt, aber ich wollte das Geheimnis gar nicht ergr├╝nden, und ein Leben im Kloster war f├╝r mich schon gar keine M├Âglichkeit f├╝r mein Leben. Es ist eigentlich wirklich erstaunlich, dass das alles so geworden ist, man muss da zwar gerade als Novize noch recht vorsichtig sein, aber ich sehe das doch alles als F├╝gung, wenn ich meinen Weg hierher so betrachte.

Wie war die Reaktion deiner Eltern, als du gesagt hast, dass du ins Kloster eintreten m├Âchtest?

Also das Erste war ja, dass ich gesagt hab, dass ich Priester werden m├Âchte. Da kann ich mich auch noch ganz gut daran erinnern. Wir haben das Abendessen vorbereitet, als ich es gesagt habe und dann war erst mal Stille, dann eine strenge Ermahnung meines Vaters, ob ich das gut ├╝berlegt habe, aber dann haben meine Eltern schon auch erkannt, dass sie selber ÔÇ×schuld“ sind, weil sie mir ja den Glauben mitgegeben haben und haben mir gesagt, dass sie mein Vorhaben gut finden. So sp├╝re ich jetzt auch, dass sie da dahinterstehen und dass sie den Weg auch wirklich mitgehen und auch wohlwollend mitgehen und das ist f├╝r mich sehr wichtig. Aber sie haben mir gesagt: Das ist eben nicht das, was sie sich eigentlich vorgestellt hatten, f├╝r den Weg ihres gro├čen Sohnes. Mit dem Eintritt ins Kloster war es dann so, dass sie meinen Weg zur Entscheidung f├╝r den Eintritt mitgegangen waren, es war also keine ├ťberraschung mehr, aber es war nat├╝rlich f├╝r sie sehr spannend, wie f├╝r mich ja auch, was da mit dem Eintritt alles verbunden war, zum Beispiel auch, dass es w├Ąhrend des Noviziates keinen Urlaub gibt.

Und wie war es bei deinen Freunden?

Also einige, gerade aus der Schule, haben sich schon zu meinem Wunsch, Priester werden zu wollen, gedacht, dass ich einen Knall habe. Also der Freundeskreis hat sich nat├╝rlich in der ersten Zeit im Kloster recht stark eingeschr├Ąnkt, weil die Kommunikationsm├Âglichkeiten sehr zusammengeschrumpft sind, aber da merkt man dann auch, wem von den Freunden es wichtig ist, in Kontakt zu bleiben. Ja und die, mit denen ich auch jetzt noch in Kontakt bin, sagen zwar, dass sie es nicht wirklich verstehen k├Ânnen, aber sagen ÔÇ×Hut ab“ vor deiner Entscheidung, ÔÇ×meins w├Ąre es zwar nicht, aber wenn es dein Weg ist, dann ist es gut“. Es haben mir auch einige gesagt, ja, zu dir passt es, wobei es da vor allem auch erst mal um meinen Wunsch ging, Priester zu werden.

Weil du es eben schon angesprochen hast: Die Kommunikationsm├Âglichkeiten sind beschr├Ąnkt. Wie meinst du das genau? Was sind so die Regeln w├Ąhrend des Noviziates f├╝r Besuche?

Also ich darf jetzt nicht nach Hause zu Besuch fahren, aber gerade meine Eltern k├Ânnen hierher kommen und das ist mit Freunden nicht anders; also es gilt praktisch, mich besuchen ist kein Problem, aber ich selbst kann niemanden besuchen und ja, die Kommunikationsm├Âglichkeiten: Also das, wor├╝ber die meiste Kommunikation auch bei mir stattgefunden hat, SMS und facebook, habe ich nicht mehr. Es bleiben e-mail, die Post und das Telephon. Um meine mails zu checken, muss ich aber immer durchs halbe Kloster und au├čerdem sind da meine Freunde auch nicht so aktiv. Mit Briefen ist es eben so, naja es ist eben eine Kommunikation mit langen Pausen, ja und das Telephon ist eigentlich Luxus f├╝r einen Novizen, die Mitbr├╝der hatten in ihrem Noviziat noch kein eigenes, aber daf├╝r bin ich wirklich sehr dankbar und nutze es auch gerne, um vor allem nat├╝rlich mit meinen Eltern in Kontakt zu bleiben.

 

Jetzt noch einige allgemeinere Fragen:

Was f├╝r Lebensziele hast du und wie kannst du sie hier im Kloster verwirklichen?

Ja... Das eigentliche Lebensziel kann ich jetzt gar nicht so konkret formulieren, es ist mir gar nicht so ganz greifbar und auch nicht direkt aufs Kloster angewiesen. Ich sag jetzt mal, was f├╝r mich der tiefere Gedanke war und ist, f├╝r den Wunsch Priester werden zu wollen: Ich m├Âchte mich Gott zur Verf├╝gung stellen und in seinem Dienst mein Leben gestalten und dann ist das Lebensziel dementsprechend, dass ich diesen Dienst auch gut erf├╝lle und dann auch das Gef├╝hl habe, dass ich da etwas erreichen kann, also ÔÇ×die Sache Gottes“ irgendwie voranbringen kann, das ist jetzt zwar sehr weit gefasst, denn das kann man nat├╝rlich auf allen m├Âglichen Wegen, aber, und das ist dann f├╝r mich pers├Ânlich der Punkt, dass ich auch glaube, dass ich da berufen bin: Ich denke, dass ich dieses Ziel nur erreichen kann, wenn ich mich ganz und vollst├Ąndig zur Verf├╝gung stelle, wie man es eben als M├Ânch oder auch als Priester macht. Wie das dann in Zukunft konkret weitergehen wird, welche konkreten Lebensziele auftauchen, wird sich zeigen.

Wie h├Ątten denn deine Lebensziele auerhalb des Klosters ausgesehen?

Man kann nat├╝rlich das, was ich eben gesagt habe, auch ohne Gott formulieren und sagen, dass ich irgendwie so veranlagt bin, die Welt ein St├╝ckchen besser machen zu wollen, aber f├╝r mich hei├čt das eben, der Sache Gottes zu dienen und das kann man nat├╝rlich auch auf vielen anderen Wegen. Ich wollte mal F├Ârster werden, Maschinenbau mit Spezialisierung auf erneuerbare Energien studieren, ja, da h├Ątte ich schon was gefunden, auf jeden Fall w├Ąre eben der Rahmen f├╝r mein Lebensziel nicht wie jetzt das Kloster, sondern eine Familie.

Wir haben uns auch gefragt, woher du diese Religiosit├Ąt hast.

Du hast es vorhin schon mal erw├Ąhnt, sie kommt von deiner Familie oder?

Also ohne meine Familie w├Ąre ich jetzt ziemlich sicher nicht hier. Es gab von meinen Eltern aus keine ├╝bertriebene Religiosit├Ąt, aber es ist eben einfach ganz selbstverst├Ąndlich gewesen, z.B. ein Tischgebet zu sprechen und dass ich gelernt habe am Abend ein Abendgebet zu sprechen und am Sonntag sind wir eben in die Kirche gegangen, das war ganz selbstverst├Ąndlich, und das ist eben der Grundstein, auf dem sich dann alles andere so entwickelt hat. Also ich meine, Tischgebet, Abendgebet und Kirchenbesuch haben sicher auch viele andere gelernt und gehen deshalb nicht gleich ins Kloster, aber wenn das nicht gewesen w├Ąre, dann w├Ąre ich jetzt sicher auch nicht so, das ist schon ganz wichtig gewesen. Ich habe mit meinen Eltern eigentlich auch kaum tiefsch├╝rfende theologische Gespr├Ąche gef├╝hrt, aber der Glauben ist eben unsere gemeinsame Basis, der Grundton, der immer mitschwingt.

Gab es f├╝r dich einen Punkt, an dem du dich ganz bewusst f├╝r den Glauben entschieden hast oder gab es einen Zeitraum, in dem du total gezweifelt hast und dich danach wieder ganz bewusst f├╝r den Glauben entschieden hast?

Also es gab eigentlich nie so eine Situation, dass ich mir gedacht habe, eigentlich will ich jetzt gar nicht in die Kirche gehen, weil das sowieso sinnlos ist, aber eine bewusste Entscheidung f├╝r den Glauben gab es f├╝r mich schon. Also hier ist es ja so, dass die Firmung praktisch gleich nach der Erstkommunion kommt, bei uns wird man zwischen der 8. und 10. Klasse gefirmt und ich war eben schon in der 10. Klasse und das war auch wirklich sehr gut so, denn da konnte ich das viel bewusster erleben und habe mir ganz andere Gedanken gemacht. Also, ich pers├Ânlich sehe die Firmung so und so habe ich sie damals auch empfunden: sie ist das pers├Ânliche Ja zum Bund mit Gott, in der Taufe und Erstkommunion bekommt man immer nur etwas geschenkt und da kommt Gott praktisch einseitig auf einen zu und die Firmung ist dann der Zeitpunkt das eben zu erwidern und zu sagen: Ja, da mach ich mit oder eben auch nicht. Ich ├Âffne mich auch f├╝r den hl. Geist oder eben auch nicht. So war die Firmung und vor allem auch die Firmvorbereitung, der Ausgangspunkt, der mich am Ende hierher gef├╝hrt hat und da kommt auch schon mein Ordensnamenspatron her, der hl. Ignatius von Loyola, der war auch schon mein Firmpatron, es ist bei uns im Bistum Dresden-Mei├čen n├Ąmlich ├╝blich, sich einen Firmpatron zu w├Ąhlen.

Warum ausgerechnet der hl. Ignatius?

Also vor der Firmung, wie wir einen Namen aussuchen sollten, da hab ich so ein bisschen im Heiligenlexikon gebl├Ąttert, aber eigentlich war mir der hl. Ignatius schon vertraut, zum einen aus einem Vortrag, den ich mal in der 7. Klasse gehalten habe, ├╝ber die Gegenreformation und zum anderen auch aus der Firmvorbereitung, als es um die Unterscheidung der Geister ging und da war ich beeindruckt, vor allem von seinem Wahlspruch: ÔÇ×Alles zur gr├Â├čeren Ehre Gottes“ und da hab ich mir gedacht, wenn der mich eh schon so begleitet hat, dann ist er auch mein Firmpatron und zum Gl├╝ck hat ihn mir der Abt auch hier als Namenspatron gegeben, denn ich hab auch immer mehr das Gef├╝hl, dass das wirklich so passt. Besonders einen Gedanken von ihm kann ich sehr gut nachvollziehen: Er sagt: Er hat alles von Gott geschenkt bekommen und er will all das Gott und seinem Willen wieder voll und ganz zur Verf├╝gung stellen.

Er ist also wie ein Vorbild f├╝r dich?

Ja.

Hast du noch andere Vorbilder?

Ja, also von den Aposteln beeindruckt mich Petrus schon immer sehr, nat├╝rlich ist auch Maria ein Vorbild f├╝r mich, wie ja auch der zweite Teil meines Ordensnamens verr├Ąt und es gibt auch ein Vorbild, bei dessen Seligsprechung ich dabei war: Der selige Alojs Andritzki, ein sorbischer Kaplan aus meinem Heimatbistum, der in Dachau ermordet wurde, weil er sich nicht aus Menschenfurcht angepasst und den Glauben verleugnet hat. Nat├╝rlich habe ich auch Vorbilder, die nicht heilig oder selig gesprochen sind, so z.B. zwei Pfarrer aus Leipzig, von denen einer aber schon verstorben ist; als Vorbild eines M├Ânches meinen Exerzitienmeister von den Einkleidungsexerzitien in Niederaltaich und nat├╝rlich gibt es auch hier in Plankstetten einzelne Mitbr├╝der, die mir in bestimmten Bereichen Vorbilder sind.

Welchen Unterschied gibt es f├╝r dich zwischen einem Leben im Kloster und einem gelebten Christentum auerhalb des Klosters?

Also, an sich muss ich sagen, dass ein gelebtes Christentum auerhalb des Klosters sicherlich die schwerere Lebensform ist, weil man mitten in der Welt und eben nicht in einem Schutzraum, wie es das Kloster ist, den Glauben leben muss, gerade in einer Welt, in der Glaube nicht so hoch im Kurs steht, muss man sich pers├Ânlich einen Schutzraum schaffen, was f├╝r uns die Klostermauern ├╝bernehmen und deswegen halte ich das schon f├╝r schwieriger, aber deshalb hat man im Kloster eher die Chance und die Aufgabe eine gro├če Tiefe zu gewinnen, man hat viel mehr Zeit, sich damit zu besch├Ąftigen, den Glauben eben auch wirklich zu vertiefen und da sehe ich auch die Aufgabe eines Klosters und da sehe ich auch ein bisschen meine Aufgabe, dass man im Kloster als M├Ânch in die Tiefe kommt und das, was man da gewinnt, nutzt, um die Menschen zu best├Ąrken, die in der Welt das Christentum leben. Das ist auch das, was uns auch noch mit den W├╝stenv├Ątern verbindet, von denen wir ja sozusagen abstammen, wie ich vorhin schon mal gesagt habe: Die waren in der Einsamkeit der W├╝ste, haben unglaubliche Weisheit gewonnen und dann kamen Menschen zu ihnen und haben um Rat gefragt und das ist, denke ich, auch das, was ein Kloster leisten muss, dass es sozusagen Ratgeber, Kraftquelle und Quelle der Weisheit ist.

Was f├╝r Alternativen siehst du f├╝r ein Zusammenleben au├čerhalb des Klosters, also wenn jemand sich seinem Glauben hingeben m├Âchte und ├Ąhnlich leben will wie im Kloster, aber eben doch nicht in einem Kloster?

Bei uns gibt es die Oblaten, die das Stundengebet pers├Ânlich beten, sich hier ab und zu zu NoviziatsunterrichtEinkehrtagen treffen und eben den benediktinischen Geist in die Welt tragen wollen - und so etwas gibt es eigentlich bei allen Orden. Meine Eltern zum Beispiel sind in einem Familienkreis, wo sich einige Familien regelm├Ą├čig treffen um sich auszutauschen und sich zu st├Ąrken, ja das sind vielleicht zwei M├Âglichkeiten, den Glauben gemeinschaftlich lebendig zu halten, aber gerade eine lebendige Gemeinschaft sollte auch jede Gemeinde sein. Also ÔÇ×Gemeinde“ ist nicht nur am Sonntag in die Kirche rennen, und sich gegenseitig gar nicht wahrnehmen, sondern da geh├Ârt ja eigentlich viel mehr dazu: um einander wissen, sich helfen, austauschen, ein Netz zu bilden, von dem ein Einzelner aufgefangen wird, wenn er in Not ist.

Nun wollen wir noch einen kurzen Blick in die Zukunft wagen.

Zuerst zu deinen Pl├Ąnen f├╝r die Zukunft: Du willst ja noch Theologie studieren, wo kannst du das machen?

Ja, an sich steht mir da die Welt offen, weil man als Benediktiner ja nicht an bestimmte Di├Âzesen gebunden ist. Wahrscheinlich geht es f├╝r mich in ein Priesterseminar. Eichst├Ątt liegt da nat├╝rlich nahe, aber es gibt noch keine Entscheidung und es ist ja auch noch Zeit, schlie├člich geht das Noviziat noch ein halbes Jahr, aber ich bin schon selber gespannt, wie das werden wird.

Wie siehst du die Zukunft f├╝r Kl├Âster?

Ich wehre mich absolut gegen diese ÔÇ×Linealmentalit├Ąt“, die ich zur Zeit beobachte, ich k├Ânnte da toben, wenn jemand auch noch in meiner Anwesenheit anf├Ąngt sozusagen die Kurve der letzten Jahre mit dem Lineal zu verl├Ąngern, um dann zu prognostizieren, wann die Kl├Âster ausgestorben sind. Ich finde das unm├Âglich, denn gerade als M├Ânch sollte man voller Hoffnung sein und vor allem das Vertrauen auf Gott haben, dass er auch die Kl├Âster Mit Abt Beda und fr. Bruno im Gartenwieder aufrichten wird.  ├ťberall wo es ein Tief gibt, kann es auch ein Hoch geben und darauf muss man einfach vertrauen, denn Gott l├Ąsst sich nicht prognostizieren. Wenn man sich n├Ąmlich in eine Untergangsstimmung verliert, dann wird auch nichts besser und ich bin ├╝berzeugt davon, dass es auch zahlenm├Ą├čig wieder aufw├Ąrts gehen wird, aber, und da liegt es eben auch an den Kl├Âstern selber, die m├╝ssen, das ist das Wichtigste, wirklich ganz klar und deutlich darstellen, was man sein will und eben, das klingt zwar vielleicht abgedroschen, authentisch leben und dann geht es ÔÇ×innerlich“ aufw├Ąrts und dann hat das auch Strahlkraft, dann kann es auch zahlenm├Ą├čig wieder aufw├Ąrts gehen und auch Neues entstehen. Es braucht einen wirklich schweren Spagat zwischen einem realistischen Blick einerseits und Hoffnung und Gottvertrauen andererseits.

Was hast du denn f├╝r W├╝nsche f├╝r genau dieses Kloster hier?

Da gibt es viele. Also es d├╝rfen erst mal noch ein paar J├╝ngere nachkommen. Ein Wunsch, den ich selbst leider wenig beeinflussen kann, ist nat├╝rlich auch, dass die Generalsanierung bald fortgesetzt werden kann.  Aber die gr├Â├čte Baustelle ist, und das wird wahrscheinlich immer so sein, dass wir uns st├Ąndig bem├╝hen m├╝ssen, eine gewisse Strahlkraft zu haben, die anziehend wirkt und Kraft spendet. Dass unser Kloster ein gutes Beispiel, ein Bild f├╝r Gott unter den Menschen ist, wie der brennende Dornbusch Gott offenbart und, dass in dieser Sache alle an einem Strang ziehen und die Gemeinschaft der Br├╝der immer mehr wie eine gro├če Familie wird, vom ganzen Umgang miteinander.